RE: Die Fleisch-Propaganda, Antwort von Paul
RE: Die Fleisch-Propaganda, Antwort von Paul
Hallo, Herr Werner Schneider,
1) Arachidonsäure:
das mit den essentiellen Fetten hatte ich hier schon besprochen.
Mit der Arachidonsäure hast du leider ein Eigentor geschossen.
Der menschliche und tierische Organismus kann Arachidonsäure selbst bilden, und zwar aus den ommega-6 Fettsäuren (o-6FS), wie der Linolsäure.
ich zitiere jetzt einfach mal aus der allgemeinverständlichen Darstellung im web:
http://www.ernaehrung-fuer-gesundheit.de/Fette/AA.html
<<Bei einer zuckerreiche Ernährung und einer Ernährung die überwiegend schnell abbaubare Kohlenhydrate enthält, wird die Arachidonsäure hormonell gesteuert vermehrt in die Zellen eingeschleußt. Oxidative Prozesse führen zur Freisetzung der Arachidonsäure und zur Bildung der entzündungsvermittelnden Substanzen, die gleichzeitig ein gesteigertes Schmerzempfinden hervorrufen. Der Arachidonsäurestoffwechsel spielt bei so unterschiedlichen Erkrankungen wie u.a. Rheuma, Allergien, Neurodermitis oder Arteriosklerose eine Rolle.>>
Das entspricht der Lehre von Lutz und der persönlichen Erfahrung von petermigr im forum, auch wenn man seine Erfahrungen nicht verallgemeinern kann, trotzdem pflanzliche o-6FS und kalorische Kohlenhydratüberlastung, oder sogar nur zu viel o-6FS führen zu entzündlichen Reaktionen. Das die mehrfach ungesättigten pflanzlichen Fettsäuren auch irgendwie schützen wusste man schon lange und man hat z.B. gezielt Rheumapatienten solche Fette gegeben und schliesslich festgestellt dass zuviel 0-6FS eindeutig das Rheuma verstärkt und zwar genau über den oben von dir geschilderten Arachidonsäureweg. Es genügt also nicht auf den Arachidonsäuregehalt der Lebensmittel zu sehen, man muss noch mehr auf die Linolsäure bzw. alle o-6FS achten. Der wichtigste Gegenspieler der o-6FS ist wie schon früher dargestellt die o-3FS (Fischöle, Linolensr.) Ausreichende Mengen an o-3FS verhindern die negativen Folgen von o-6FS (4:1). Der Gehalt im Fleisch hängt nun sehr stark von dem Futter der Tiere ab. Du kannst Hühner mit Leinsamen (o-3FS) füttern, so dass in einem einzigen Ei der Tagesbedarf an o-3FS enthalten ist, schade, dass das nicht stärker propagiert wird, ich könnte mir dann den halben Teelöffel Leinöl am morgen sparen. Da Gras sehr viel o-3FS enthält hat reines Weidevieh (kein Mastfleisch) sehr günstige Fettzusammensetzung, ebenso wie Wildfleisch! (z.B. argentin.Angus)
Also noch einmal, verstärkter Kohlenhydratstoffwechsel (ich könnte hier noch mehr in die Tiefe gehen) und ein relativer Überschuss an o-6FS ist entzündungsfördernd.
2) dein zitierter Link
enthält folgenden Schlussatz:
<<Ein häufiger Verzehr von Burgern und Steaks könnte sich aber nur auf Menschen mit einer Veranlagung für RA auswirken. "Es könnte sein, dass der hohe Kollagengehalt von Fleisch zu einer Kollagen-Sensibilisierung und einer fortschreitenden Produktion antikollagener Antikörper führt", erklärten die Forscher>>.
also kein Wort von der Arachidonsäure, den Kollagengehalt sehe ich selbst nicht als Risiko an, insbes. weil er sehr Siliziumhaltig ist, welches in zu geringer Menge aufgenommen wird und zufällig auch noch entzündungshemmend wirkt. Ich hab die Originalarbeit nicht gelesen, wichtig wäre, wie natürlich bei allen "Fleischwarnungen" die Energiebilanz, korrekte Vergleiche sind nur mit der gleichen Gesamtenergie aufnahme möglich (energie-adjusted intake)!!!
3) Harnsäure
Keiner verharmlost das (allgemeine) Harnsäurerisiko, das hat aber recht wenig mit Fleisch zu tun (siehe meine Antwort an I.Obermeier) Purin ist in jeder einzelnen Zelle egal ob pflanzlich oder tierisch. Also zellreiches Gewebe ist stärker purinhaltig als zellarmes. Leider ist das Eiweis an Zellen gebunden, so haben Kartoffel, die so gut wie kein Eiweiss enthalten entsprechend wenig (natürlich auch tierisches Fett) und Petersilie und Salat entsprechend viel. Die Harnsäurediskussion wäre also eher eine Eiweissdiskussion, aber auch das greift zu kurz. Die Gicht ist nämlich eine Stoffwechselerkrankung im grösseren Rahmen des sog. metabolischen Syndroms (wie Zuckerkrankheit), welche ebenfalls wieder in erster Linie durch Kohlenhydratüberlastung ausgelöst wird und das ist nun mal kein Fleisch!!!!!
Hier wird der gleiche (naheliegende) Fehler gemacht wie bei der Hypercholesterinämie, dass man meint durch Einsparung von Cholesterin (das auch vom Körper selbst hergestellt wird) könne man die Folgen einer hyperkalorischen Ernährung vermeiden. Es ist also nicht möglich durch Einschränkung des Puringehaltes alleine die Gicht zu verhindern, ist alles 1000 probiert worden, geht einfach nicht. Die (Kohlenhydrat-)Energiezufuhr muss gesenkt werden!!!.
Fazit:
a) Viele Nachteile, die dem Fleisch von seinen Gegnern (da gibt es viele) nachgesagt werden, beruhen auf der oft (früher) damit verbundenen fettreichen Überernährung, Vergleiche sind nur bei gleicher Energieaufnahme seriös.
b) Bei der kalorischen Überernährung spielen im Stoffwechsel ohne jede Frage die Kohlenhydrate eine unheilvollere Rolle als die Fette.
c) Fleisch selbst, auch Schweinefleisch, hat in den am häufigsten verwendeten Partien einen Fettgehalt von 1-3% und besteht zu ca. 70% aus Wasser. Die tägliche Eiweissversorgung wird also rechnerisch nur zu einem Teil aus Fleisch gewonnen, was absolut unnötig ist. Die Qualität hängt auch vom Futter ab (s.o.). Es ist ein extrem natürliches Nahrungsmittel mit vielen Vitaminen und Spurenelementen und sollte natürlich möglichst unverfälscht genossen werden.
Das gilt keinesfalls für alle nachbearbeiteten Produkte und ich bekenne mich hier ganz offen zum "Wurstvegetarier", obwohl es mir anfangs nicht leicht gefallen ist, insbesondere, weil diese meist mehr als 50% Fett enthält. Also in der Diskussion Wurst und Fleisch bitte nicht in einen Topf werfen. Ebenso warnen muss man selbstverständlich vor den ungünstigen Pflanzen-Fetten oder Ölen.
Gruss
Paul