RE: Onanie
Liebe Susi,
Erstmal folgendes: Du bist seine Freundin, und nicht seine Therapeutin. Du kannst ihn nicht heilen (ein Therapeut übrigens auch nicht), ohne dass er dafür bereit ist.
Meine Intuition bezüglich der Problematik scheint sich ja nicht als ganz falsch herausgestellt zu haben. Wenn dem wirklich so ist, wie ich denke und du sagst, dann steckt dein Freund noch sehr tief in einem Muster, dessen er sich nicht bewusst ist.. Er kann sich heute noch nicht gegen seine Mama wehren, kommt als Mann mit der fordernden Weiblichkeit nicht zurecht, kann ihr nicht die Stirn bieten. Wahrscheinlich fühlt er sich schwach und kastriert, wenn er einer erwachsenen, erotischen Frau gegenübersteht, und zieht sich dann in die Kuschelzärtlichkeit zurück.
Deshalb sei SEHR vorsichtig mit diesem Thema! Wenn du ihn «auf den richtigen Weg» bringen willst, musst du sein Weltbild zerstören, und das wird er wohl nicht freiwillig mitmachen, denn er hockt scheinbar noch tief in den Klauen seiner Mutter. Sein Vater wird ja wohl auch nicht gerade ein männlicher Kraftprotz und damit ein Gegengewicht zur Mutter sein, wenn er so im Hintergrund bleibt an den Geburtstagen seinen Sohnes. Solange sich dein Freund nicht selber gegen den Missbrauch durch seine Mama auflehnt und die Situation selber als problematisch zu erkennen beginnt, wirst du erfolgslos sein. Denn er KANN sich seiner Mama ja eben nicht stellen, deshalb verkriecht er sich ja ins Kuscheln oder flüchtet sich ins gefühllose «Benutzen» deines Körpers.
Versuche dich also langsam an die Geschichte ranzutasten, denn er ist SEHR verletzt! Schaue ihm einmal ganz ruhig zu in seinem Leben, mit deinem neuen Verständnis im Kopf, und überprüfe wie weit das alles wohl zutreffen könnte. Nochmals, sei vorsichtig! SCHAU ihm zu, HÖR ihm zu, versuche zu VERSTEHEN, was er tut, und vergiss niemals, dass die Verletzungen NICHT DIR gelten, sondern eine Abwehrreaktion gegen den Missbrauch durch seine Mama darstellen. Du musst dann nicht mehr mitzappeln, kannst wie außen dran bleiben und einmal abwarten. Vielleicht bietet sich einen Gelegenheit zum vorsichtigen Gespräch. Vielleicht beschwert er sich mal über seine Mutter, seinen schwachen Vater oder so. Frag ihn indirekt, z.B. nach seinen Beziehungsidealen etc.
Mit der Zeit wirst du dann spüren, ob es für dich eine lebendige und gesunde Beziehungsmöglichkeit gibt mit ihm, oder ob du auf ewig ein funktionierendes Zahnrädchen in seinem aus Angst, Ohnmacht und regressiven Sehnsüchten gezimmerten Beziehungssystem bleiben musst. Wenn das letztere der Fall ist, wirst du auf immer zu kurz kommen und solltest dich trennen. Du bist noch sehr jung und solltest ganz gut auf deine innere Stimme hören. Du solltest dich nicht missbrauchen lassen, auch wenn er es nicht böse meint. Du musst ihn auch nicht heilen, wenn du nicht magst. Er kann das sowieso nur ganz von sich aus. Es ist seine WAHL, sein ENTSCHEID, du kannst ihm nur die Hand bieten.
Und nein, versuche ihn nicht zu verführen. Das geht garantiert schief. Du verdienst es, als erwachsenen Frau mit eigenen Bedürfnissen ernst und wahr genommen zu werden. Solange er das nicht kann (und er KANN es nicht), kannst du ihn liebend begleiten, doch solltest du dir deine eigenen Würde und Selbstachtung bewahren. Soviel für jetzt. Nur eine Frage noch: Spricht er über seinen Eltern? Und wenn ja, wie?