Mein Mann sagt schon immer ich soll nicht soviel lesen das wird nur schlimmer dadurch.
Es kommt darauf an, was Du liest.
Tendenziell nicht das Richtige ist es, wenn Du nur im Internet googlest. Dabei stolperst Du zwangsläufig auch über viele Negativ-Berichte ohne Fakten.
Sich ein bis zwei Fachbücher zu dem Thema zu besorgen oder dieses Hörbuch, halte ich jedoch für sehr wichtig, weil das darin enthaltene Wissen diesen Krankheiten einen Teil ihres Schreckens nimmt. Auf der medizinischen Seite bekommst Du erklärt, wie das mit den Neurotransmittern funktioniert und welche biochemischen Ursachen hinter der Erkrankung stehen. Wenn Du das verstanden hast, entwickelst Du auch sofort mehr Vertrauen in die Medikamente, weil Du besser verstehst, wie sie wirken. S. z.B.
Depressionen überwinden - Niemals aufgeben!
Auf der kognitiven Seite verstehst Du mit der Zeit, wie sich solches negatives Denken entwickeln konnte, und Du bekommst beigebracht, wie Du dem entgegenwirken kannst. S. z.B.
Feeling Good: Depressionen überwinden, Selbstachtung gewinnen: Sich wieder wohlfühlen
Ich möchte Dich hier weiß Gott nicht katholisch quatschen - nichts liegt mir ferner.
Aber solche Krankheiten haben in meinen Augen zwei Komponenten:
Die psychische, die i.d.R. durch eines oder mehrere Ereignisse und Erfahrungen in der Vergangenheit geprägt haben.
Und die organisch-medizinische, die entsprechend auf die psychische reagiert.
Natürlich ist es die hohe Kunst, die psychischen Ursachen irgendwann auch ohne Medikamente in den Griff zu bekommen.
Aber wenn man weiß, daß mit jedem psychischen und körperlichen Unwohlsein und Leid eben auch biochemische Mängel im Gehirn einhergehen, kann man die Auswirkungen dieser Komponente schonmal reduzieren oder sogar ganz eliminieren, um in der Folge den Rücken für die Bewältigung der psychischen Ursachen frei zu haben.
Da greift leider sehr sehr viel ineinander. Und das aufzudröseln, dauert in unserem Alter - ich bin
39, also ähnlich alt Du - eben schon etwas.
Ich habe gerade in den letzten Tagen, seit ich wieder etwas ängstlicher werde (wohl infolge der Dosissenkung), für mich erkannt, daß ich ursächlich offenbar wirklich primär auch unter einer Angststörung leide, und nicht unter einer Depression, wie zuerst diagnostiziert. Die Depression kam dann allerdings obendrauf und hat das Problem erst an die Oberfläche gespült.
Aber im Kern bin ich überzeugt davon, auch 'nur' eine Angststörung entwickelt zu haben, und wenn ich so durch mein Leben zurückgucke, erkenne mich mit einem Mal all die vielen kleinen und größeren Ereignisse und Erfahrungen, die das Faß vor zweieinhalb Jahren zum Überlaufen gebracht haben:
Mal mehr, mal weniger bewußt, hatte ich in einigen Phasen und Momenten meines Lebens ziemlich Angst, einiges davon auch wiedekehrend. Wie zum Beispiel vor der Tracht Prügel meines Vaters, wenn ich und meine Brüder Mist gebaut hatten. Oder vor den Hänseleien in der ersten Klasse, die mich haben regelrecht aus dem Klassenzimmer nach Hause flüchten lassen. Oder vor dem Krach zwischen meinen Eltern, wenn es um einen meiner Brüder ging, weil der wieder ausgefressen hatte. Was sich noch fortgesetzt hat, als ich schon lange ausgezogen und verheiratet war, nämlich immer dann, wenn mal wieder ein Besuch bei meinen Eltern Zuhause anstand. usw. usw.
Ich kann nicht genug betonen, daß ich ein richtig schönes Leben habe und immer gehabt habe! Als Kind, als Jugendlicher, als Student, als Freund, Ehemann und Vater.
Aber Angst ist ein sehr altes, mächtiges Gefühl, was unseren Vorfahren in der Savanne und Tundra das Leben gerettet hat. Es hat sich nur mit unseren zivlisatorischen Errungenschaften nicht im gleichen Maße zurückentwickelt... blöd.
Und deswegen ist dieser Spagat sehr wohl möglich: Ein zum allergrößten Teil schönes und zufriedenstellendes Leben zu führen bzw. geführt zu haben - und trotzdem reichen einzelne angsterfüllte Schlüsselerlebnisse womöglich aus, sich einzuprägen. Insbesondere, wenn man - und das spielt auch eine Rolle - womöglich eine genetische Veranlagung dafür mitbringt, wie ich es bei mir auch vermute. Meine Mutter muß ebenfalls ziemlich unter Angst gelitten haben, wie mir in den letzten Tagen und Wochen klar geworden ist...
Ich will Dich jetzt erstmal nicht weiter vollquatschen.
Aber ich hoffe, daß ich Dir ein bißchen deutlich machen konnte, daß Deine Angststörung sehr wahrscheinlich ebenfalls irgendwelche Ursachen hat, die Du Dir bewußt machen solltest, wenn Du möchtest, daß Du es irgendwann akzeptieren oder sogar loswerden kannst. So grundlos und wirr es sich für Dich - und auch für mich immer wieder - anfühlt, so grundlos und wirr ist es in Wahrheit nicht. Man muß das Rätsel nur leider erstmal lösen... :-/
Von daher kann es nichts schaden, der Sache mit guten Büchern zum Thema auf den Grund zu gehen. Erst recht, wenn der erste Therapietermin noch etwas in der Zukunft liegt.
Alex ich habe leider keinen mp3 Player.
Kostet ja nun nicht die Welt, und Amazon ist nur ein paar Maus-Klicks entfernt
Ich muß jetzt Sohnemann ins Bett bringen.
Aber laß Dich nicht unterkriegen - Du stehst das durch. Meiner Erfahrung nach wird das Citalopram schon in den nächsten Tagen nach und nach seine Wirkung entfalten, und dann wird es Dir auch wieder besser gehen.
Du packst das!
