RE: Alkoholiker????
"Probleme,hat er glaube ich, nur mit mir."
Hi Smily,
das ist FALSCH. Du beziehst SEIN Problem auf Dich und nimmst ihm damit unwissentlich die Verantwortung für sein Leben ab. Lass Dich nicht in diesen Kreislauf hineingleiten. Zieh eine Grenze. Du bist für Dich und Dein Leben verantwortlich und er für das seine. Das Problem bist nicht Du, das Problem ist, dass er mit seinem Leben nicht bewusst und verantwortungsvoll umgeht. Rede Dir nicht ein, alles wäre in Ordnung, wenn Du nur den Mund halten und dulden würdest, dass er keine Verantwortung für sein Tun und Denken übernimmt. Er kann jederzeit sein Handeln und Denken ändern, wenn er sich bewusst wird, wie, was und warum er so denkt und handelt wie er denkt und handelt.
Wir hatten in dieser Runde schon einmal ein "Problemkind" (wenn Sandra das liest, dann tritt sie mich bestimmt irgendwo hin, aber trotzdem!), das erst da sein Alkoholproblem bewusst angehen konnte, als ihr die eigenen Verhaltensmuster und Gedankenstrukturen bewusst wurden. Wir wissen nicht, ob sie auch ohne den von vielen hier in diesem Forum geforderten Therapie-Antritt gegen ihre Alkoholsucht etwas ausrichten konnte. Ich bin heute mehr denn je der Überzeugung, dass das eigene Bewusstsein darüber entscheidet, wie erfolgreich man/frau "Umstände", Ansichten und damit sein Leben ändern kann.
Wahrscheinlich braucht Dein Mann dringend die Einsicht, dass er sich nicht selbst Schaden zufügen sollte (vielleicht aus Selbsthass, aus Minderwertigkeitsgefühlen, aus Schuldkomplexen heraus), weil auch er ein wertvoller, liebenswerter Mensch ist. Von anderen will er das wahrscheinlich nicht hören. Dazu ist er zu sehr in seinen eingefahrenen Denkmustern gefangen. Er kann sich nur selbst "heilen", kann nur, wenn er selbst Veränderung will, Veränderungen herbeiführen.
Die von mir schon zitierte Autorin Louise L. Hay schreibt zum Thema Problem Alkoholismus und dem wahrscheinlichen Grund dafür:
"Gefühl von Sinnlosigkeit ('Was soll's?), Schuld, Unzulänglichkeit. Selbstablehnung." und empfiehlt folgendes neues Gedankenmuster, um sich selbst zu heilen: "Ich lebe im Jetzt. Jeder Augenblick ist neu. Ich will meinen Selbstwert sehen. Ich liebe und akzeptiere mich."
Ohne Anleitung wird er nicht versuchen, sich selbst die sogenannten Affirmationen vorzubeten. Er wird sie als lächerlich und unnütz betrachten, weil er sich gegen die Veränderung an und für sich wehrt ("was soll's?" - siehe oben). Vielleicht kannst du ihn überreden, sich einer Gesprächstherapie zu unterziehen. Nichts anderes sind ja auch AA-Treffen. Allerdings sind Gespräche unter Anleitung eines Therapeuten, der die vorgenannten Techniken vermittelt, in meinen Augen für Deinen Mann weniger vorbelastet. Er muss sich ja nur einen einzigen Menschen "offenbaren", um eine Veränderung anzugehen, die sein ganzes bisheriges Selbst in Frage bzw. auf die Probe stellt.
Ich weiß nicht, ob Du eine Chance siehst, diesen Impuls zu geben. Mehr wirst Du nicht für ihn tun können. Dir selbst möchte ich Mut zusprechen, die Verantwortung für sein Leben ihm zu überlassen und Dir zuzugestehen, hier keine Macht zu haben. Das musst Du nicht. Niemand kann und sollte das von Dir erwarten und Du solltest Dich nicht dieser Erwartungshaltung zugänglich machen. Jeder findet sein persönliches Glück und seine Zufriedenheit nur in sich selbst. Du darfst ihm diese Verantwortung überlassen. Ohne Schuldgefühle, ohne Zweifel. Die Veränderungen können nur aus ihm selbst kommen - oder gar nicht. Und für diesen Fall solltest Du Dir bereits heute überlegen, wie Du trotzdem Dein Glück und Deine Zufriedenheit bewahren kannst. Denn auch Dein Glück und Deine Zufriedenheit ist wichtig und nur von Dir selbst abhängig.
Du bist ein wertvoller und liebenswertes Individuum und Du bist einzigartig. Liebe Dich!
Viele Grüße
Anke