Sieh es als Chance
Sieh es als Chance
Hallo liebe Peggy,
toll, dass du dich noch mal gemeldet hast. Ich mag dich,- so wie du schreibst und weil ich dich auch verstehen kann.
Fassen wir mal kurz zusammen, was wir haben.
1. Wenn du Angst hast, dass deine Beschwerden doch Physiologisch sind, dann kannst du ja noch einmal zu einem anderen Facharzt gehen. Vielleicht kann ein "besserer" Arzt doch noch was anderes finden.
2. Andererseits haben wir die anderen psychologischen Symptome, die laut rufen : "Peggy, Hallo!!! Bitte kümmere dich um uns, sonst machen wir dir Bauchschmerzen".
Ich weiß, du bist nicht überzeugt, dass deine Beschwerden psychosomatisch sind. Das kann man sich auch immer gar nicht so vorstellen. Es gibt Leute die haben 5 Jahre Rückenschmerzen und laufen von einer Behandlung zur nächsten, kosten den Kassen Unsummen, machen Massagen und nehmen viele Tabletten, dabei haben sie eigentlich Depressionen, die sich dadurch ausdrücken. Die Psyche ist eng mit dem Magen/Darm-Trakt verbunden. Ich kenne einen, der bekam nach 3 Wochen Stress im neuen Job ein Magengeschwür. Ich selbst bekomme Durchfall und kann nichts essen, wenn ich Angst vor etwas habe. Aber Prüfungen machen mir dagegen gar nichts aus. Ich habe 2 Bekannte mit einer entzündlichen Darmkrankheit und die haben beide den selben Charakter. (kennen sich aber nicht) Beide sind scheu, ängstlich, haben starke Selbstzweifel, kein Selbstwertgefühl, sind immer für andere da, haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich mal um sich kümmern oder sich was gönnen. Können nichts genießen, weil sie denken, sie haben was Schönes nicht verdient. Sagen nie ihre Meinung, sondern immer nur das, was andere hören wollen, aus Angst, man mag sie sonst nicht mehr. Ich habe über diese Darmkrankheit auch gelesen, dass man in viele Fällen immer die gleichen Charakterzüge bei Patienten sieht, denen das Leben buchstäblich auf den Magen schlägt.
Aber ich komme wohl etwas vom Thema ab. Was ich eigentlich sagen wollte, der Mensch ist mit allen Teilen Gehirn-Bauch ;-) miteinander verbunden und ich denke, psychosomatische Krankheitsbilder werden viel zu sehr unterschätzt, und das kann bei dir auch vorliegen.
3. Neben deinen Darm-Magen-Symptomen liegen aber schon handfeste psychologische Symptome bei dir vor. Du hast viel durchgemacht und vieles nicht verarbeitet. Deine Traumata aus der Vergangenheit haben Spuren hinterlassen, sind seelisch noch nicht verheilt. Du hattest den Unfall, die FG. Dann noch der Schock, dass deine Ex-Freundin schwanger ist. Und das kurbelt deine negative Gedankenspirale noch mehr an. Du denkst, du bist ein Versager, machst nichts richtig, hast nur negative Gedanken, kannst dich nicht freuen. Das klingt mir alles sehr nach Depressionen, Peggy. Es ist normal, wenn man manchmal traurig ist und in Ruhe gelassen werden will, aber du plagst dich ja nun schon eine ganze Weile damit rum. Bitte nimm das Ernst. Depressionen sind eine schwere (!) Krankheit, auch wenn viele dumme Leute immer sagen: Lass dich nicht so hängen, mach nicht so ein Theater, du verdirbst einem die Laune, es wird alles wieder gut, du hast doch alles, beschwer dich nicht.
Das hilft kein bisschen, macht es nur noch schlimmer, weil man sich dann wieder die Schuld gibt, dass man das trotz der guten Ratschläge nicht bewältigen kann.
Depressionen enden oft tötlich (Selbstmord), aber das Gute ist, es gibt Hoffnung, dass man wieder glücklich wird!!!!
Deine negativen Gedanken werden durch Hormone im Kopf gesteuert. Dopamin, Serotonin etc... sind im Zusammenspiel die lustigen, kleinen Happy-Macher.

) Und heutzutage kann man mit einer Kombi aus Psychotherapie und Antidepressiva gute Erfolge erzielen. Oder nur Therapie hilft auch sehr vielen Menschen. Du musst dir mal den ganzen Seelenmüll von der Seele reden. Das kann man auch mit Freunden, aber mit einer Psychologin bekommt man die richtigen Fragen gestellt und kann gezielt das Trauma aufarbeiten und auf lange Sicht positive Denkmuster erlernen. Aus deiner Ansicht: Ich bin ein Versager, meine Freundin ist kein Versager, die hat ihr Baby noch. Ich bin für nichts gut. Ich habe kein Recht zu leben. Das lohnt sich ja alles doch nicht. Wozu das ganze noch! ...... kann man machen: Ich habe das Kind verloren, aber vielleicht war es auch gut so, denn es war vielleicht behindert und nicht lebensfähig und ist deshalb abgegangen. Ich habe bald eine neue Chance und werde ein süßes, kleines Baby bekommen. Ich habe Hoffnung und freue mich auf die Zukunft. Ich werde eine tolle Mutter sien und eine wunderbare Familie haben...
Andererseits kannst du auch so eine Art Plan machen. Denk dir zum Beispiel: erst einmal gehe ich zur Psychologin, arbeite an meinen Depressionen und werde im "Kopf" wieder gesund und dann wenn ich wieder positiv denken kann und mich auf die Zukunft freue, möchte ich noch ein Kind haben. Weißt du, es ist auch in einer Art gut, dass das nun so gekommen ist. ..jedenfalls von den Infos, die ich von dir lese.
Frauen, die schon vor und während der Schwangerschaft psychologische Probleme haben, bekommen durch die enormen hormonellen Veränderugen in der Schwangerschaft und besonders hinterher, häufiger Wochenbettdepressionen.
Also ich würde mal sagen, kümmere dich jetzt mal nur um dich. Nimm auf keinen anderen Rücksicht, mach nur das, was DU willst!!! Es bedarf viel Kraft und Überwindung alleine zu einer Psychologin zu gehen. Arbeite deine traumatischen Erlebnisse auf. Du bist kein Versager!!! Mit so einer Therapie steigert sich auch dein Selbstwertgefühl und dann, wenn du das alles überstanden hast, wirst du mal eine ganz ganz tolle Mutter sein!

Ich wünsche dir alles, alles Gute, liebe Peggy.
Pass gut auf dich auf!
A.