RE: Ernährung bei Schmerzen?
Neuere Studien haben gezeigt, dass eine vegetarisch orientierte Kost bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen die Schmerzen und Beschwerden lindert und damit das Wohlbefinden verbessert. Entscheidene Wirkungen kommt wahrscheinlich dem Verhältnis von omega-3 : omega-6-Fettsäuren zu. Beide sind Ausgangsstoffe für die Bildung von Eicosanoiden, die das Entzündungs- und Schmerzempfinden beeinflussen. Eicosanoide, die aus omega-3-Fettsäuren entstehen, haben im Vergleich zu denen aus omega-6-Fettsäuren eine schwäche Wirkung. Das erklärt, warum eine verstärkte Zufuhr von omega-3-Fettsäuren auf Kosten von omega-6-Fettsäuren entzündungshemmende, beschwerden- und schmerzlindernde Effekte hervorruft. Omega-3-Fettsäuren kommen jedoch nur in wenigen Lebensmitteln vor, nämlich in Lein(saat)-, Raps- und Sojaölöl, und in Fettfisch (Hering, Lachs, Markrele), omega-6-Fettsäuren bzw. Arachidonsäure (die entscheidende omega-6-Fettsäure) auch in anderen pflanzlichen Ölen, v.a. aber in tierischen Produkten wie Eigelb, Schweineschmalz und fettem Fleisch. Je geringer die Aufnahme von Arachidonsäure (z.B. durch eine vegetarische Kost), desto effektiver kann durch verstärkten Verzehr von Fettfisch bzw. Fischölkapseln die Bildung von Entzündungsmediatoren gehemmt werden.
Aus der Dihomo-gamma-linolensäure, die in Nachtkerzenöl enthalten ist, produziert der Körper Eicosanoide der 1er Reihe, welche in experimentellen Studien auch entzündungshemmende Effekte zeigen. Die Behandlungsergebnisse sind jedoch nicht einheitlich, d.h. entzündungshemmende Effekte wurden nicht in allen Studien festgestellt.
Eine vegetarisch orientierte Kost ist nicht nur in Hinblich auf das Fettsäuremuster bei rheumatischen Erkrankungen von Bedeutung, sondern auch wegen einer hohen Zufuhr an antioxidativ wirksamen Mikronährstoffen (Vitamin A, C, E, Beta-Carotin). Antioxidantien machen Radikale unschädlich, die beim Entzündungsgeschehen freigesetzt werden, und neben einer Stimulation des Entzündungsgeschehens auch Gewebeschäden hervorrufen. Da bei rheumatischen Erkrankungen sehr viel mehr Radikale im Organismus entstehen als bei Gesunden, ist der Bedarf an Antioxidantien auch höher. Evtl. ist bei einem sehr schlechten Antioxidantienstatus eine Substitution in Form von Tabletten sinnvoll.
Bei aktiver Athrose sind ähnliche Mechanismen wirksam, daher können diese Empfehlungen nicht nur Patienten mit rheumatischen Erkrankungen, sondern auch Patienten mit Athrose empfohlen werden.